Internationale Workshops & Vernetzung
Internationalisierungsworkshop am 3. September in Lissabon
Ein gemeinschaftlicher Workshop der One Health Platform und der European One Health Association*
27 EU-Mitgliedstaaten, zahlreiche nationale One Health-Initiativen und eine große Vielfalt an Strukturen, Themen und Interessen: Die One Health-Landschaft in Europa ist vielfältig – und genau darin liegt eine zentrale Herausforderung. Existierende Netzwerke unterscheiden sich in Größe, Schwerpunkt und Ausrichtung und auch die Finanzierungs- und Governance-Modelle reichen von staatlichen Einrichtungen und NGOs über Verbände bis hin zu projektfinanzierten Strukturen. Inhaltlich stehen dabei unter anderem AMR, Zoonosen, Ernährungssysteme und Klimawandel im Fokus, während sozial- und umweltwissenschaftliche Perspektiven bislang häufig weniger vertreten sind.
Vor diesem Hintergrund und auf Grundlage der Internationalisierungsstrategie organisierte die One Health Platform in enger Kooperation mit der European One Health Association (EOHA)* am 3. September in Lissabon einen Internationalisierungsworkshop. Die Veranstaltung fand am Vortag des 9. World One Health Congress statt und diente als Kick-off für die weitere internationale Vernetzung und Zusammenarbeit. Insgesamt nahmen Vertreter*innen von 20 Organisationen aus 13 europäischen Ländern teil.
Als fachlich herausragende Expertin konnte Prof. Wanda Markotter, Co-Vorsitzende des One Health High-Level Expert Panel (OHHLEP), für einen Impulsvortrag gewonnen werden. Darüber hinaus stand sie den Teilnehmenden während des gesamten Workshoptages für den fachlichen Austausch zur Verfügung. In ihrem Impulsvortrag stellte sie die „One Health 4Cs“ – Communication, Collaboration, Coordination und Capacity Strengthening – als zentrale Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung und Umsetzung des One-Health-Ansatzes heraus. Konkret kann sich das im Aufbau verlässlicher Kommunikationswege, der Schaffung von Synergien und einer besseren Abstimmung zwischen nationalen und europäischen Interessen sowie den nachhaltigen Aufbau von langfristigen Strukturen ausdrücken. Gemeinsame, realistisch erreichbare Ziele sollen dabei helfen, Redundanzen zu vermeiden und die europäische One Health-Community langfristig enger zusammenzubringen.
Die anschließende Vorstellung der einzelnen Initiativen machte deutlich, wie vielschichtig die existierenden Strukturen sind, dass übergreifende One Health Initiativen nicht in allen EU-Ländern existieren. Zudem waren osteuropäischen Länder bei der Veranstaltung trotz Bemühungen der Ansprache unterrepräsentiert. Eine Erkenntnis der Teilnehmenden war, bei der Fülle bereits bestehender Netzwerke keine neuen Strukturen zu gründen, sondern vorhandene Kompetenzen und Stärken gezielt miteinander zu verknüpfen. Im Mittelpunkt stand dabei das Anliegen, den grenzüberschreitenden Austausch und die Zusammenarbeit zu erleichtern und Synergien zwischen bestehenden Netzwerken stärker nutzbar zu machen.

Im zweiten Teil des Internationalisierungsworkshops fanden sich die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen zusammen.
Arbeitsgruppe 1: Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Die Arbeitsgruppe zeigte, dass die Vernetzung auf nationaler Ebene bereits gut funktioniert, gleichzeitig aber eine deutliche Lücke bei der europäischen Zusammenarbeit besteht. Gewünscht wurden stärkere EU-weite Verbindungen, insbesondere für gemeinsame Forschungs- und Förderanträge sowie besser aufeinander abgestimmte nationale und transnationale Ausschreibungen.
Es wurde angedacht, dass ein europäisches One Health-Netzwerk zudem grenzüberschreitende Bildungs- und Austauschprogramme für Masterstudierende, Promovierende und Postdocs unterstützen könnte.
Arbeitsgruppe 2: Förderung von Nachwuchswissenschaftler:innen
Die Arbeitsgruppe definierte die Gruppe der Nachwuchswissenschaftler:innen eher in Bezug auf den Stand der Karriere als nach dem Alter und einigte sich daher auf den Begriff „Early Career Professionals“. Es sei wichtig, Förderung von Early Career Professionals in Europa stärker zu vernetzten beispielsweise durch Informations-, Wissens- und Erfahrungsaustausch und gemeinsame Veranstaltungen. Dies könnte helfen, Doppelstrukturen zu vermeiden, Ressourcen besser zu nutzen und Angebote sichtbarer und leichter zugänglich zu machen.
Arbeitsgruppe 3: Vermittlung von Wisssenschaft in die Politik
Die Arbeitsgruppe identifizierte einen großen Bedarf an besserem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik. Insbesondere fehlen bislang allgemein nutzbare bewährte Verfahren dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam in politische Prozesse auf nationaler und EU-Ebene eingebracht werden können.
Ein europäisches One Health-Netzwerk könnte die Kommunikation zwischen der One Health-Forschungscommunity und politischen Entscheidungsträgern intensivieren und gemeinsame Botschaften bündeln. Als wichtige Ansatzpunkte wurden dabei eine frühzeitige Einbindung relevanter Stakeholder, die Identifikation konkreter Ansprechpartner:innen sowie die Berücksichtigung ökonomischer Analysen genannt.
Als gemeinsames Ergebnis der drei Arbeitsgruppen wurde festgehalten, dass eine stärkere Koordination der europäischen One Health-Aktivitäten auf mehreren Ebenen einen deutlichen Mehrwert schaffen kann. Eine Koordination der Netzwerke würde zu einer gemeinsamen Stimme auf EU-Ebene, einer effizienteren Nutzung von Fördermitteln und einer besseren Vorbereitung auf gesundheitliche Krisen beitragen.
Präsentation auf dem 9. World One Health Kongress in Lissabon
Unter dem Titel „Warum braucht Europa ein One Health Netzwerk der Netzwerke?“ stellte Sascha Knauf, Standortleiter der One Health Platform am Friedrich-Loeffler-Institut (Greifswald-Insel Riems), die Ergebnisse des Workshops im Rahmen der Plenarsitzung des diesjährigen 9.World One Health Congress einem internationalen Fachpublikum vor. Durch die Präsentation im Plenum konnten die im Workshop erarbeiteten Ergebnisse über den Kreis der unmittelbar Beteiligten hinaus einer großen Zahl relevanter Akteur:innen zugänglich gemacht werden. Erreicht wurden dabei Vertreter:innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Fachdisziplinen sowie Vertreter:innen der europäischen Ebene. Die Einbindung in das internationale Kongressprogramm trug damit wesentlich zur Verbreitung der erarbeiteten Erkenntnisse, zur Vernetzung relevanter Akteur:innen und zur weiteren Sichtbarkeit der behandelten One Health Themen bei.
*Die European One Health Association ist aus der vormaligen Med-Ved-Net Association (gegr. 2009) entstanden und wurde 2024 umbenannt. Das Netzwerk vereinigt 34 wissenschaftliche Institutionen aus 20 Ländern. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der EU-weiten Kapazitäten zur Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Gesundheitsrisiken unter dem One-Health-Ansatz und konzentriert sich auf Zoonosen und AMR mit verstärkter Öffnung und Integration der Umweltwissenschaften und der Lebensmittelsicherheit. Ein weiteres übergeordnetes Ziel ist der Wissenstransfer und die Politikberatung.