Die One Health Forschungslandschaft lebt durch ihre Vielfalt und Diversität. Das bietet zahlreiche Karrieremöglichkeiten, kann aber auch zu Verunsicherung und Orientierungslosigkeit bei jungen Forschenden führen. Die Spring School 2026 der One Health Platform war daher Karrieremöglichkeiten im One-Health-Kontext gewidmet. In Vorträgen und Gruppenarbeiten konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Karriereziele und Fähigkeiten reflektieren. Zudem boten Redner:innen aus der One-Health-Community Einblicke in ihre Tätigkeitsbereiche und stellten sich den Fragen der Teilnehmenden. Durch die spannenden Vorträge der Redner:innen und die motivierte Mitarbeit aller Teilnehmenden bot die Veranstaltung zahlreiche Einblicke, Anregungen und Tipps für die unterschiedlichsten Karrierewege im One-Health-Bereich.
Karriere – was ist das?
Was wollte ich werden, als ich ein Kind war? Mit dieser Frage zum Eisbrechen, startete die Spring School der One Health Platform am 09. April 2026 im Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg in Greifswald. Die Antworten waren divers, von Astronautin bis Landwirt war alles vertreten. Dabei zeigte sich, dass sich die tatsächliche Berufswahl oft von unseren Kindheitsvorstellungen unterscheidet. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, zwischen wie vielen unterschiedlen Karrierewegen man sich oft entscheiden kann und durch welche inneren und äußeren Faktoren diese Wahl im Laufe eines Lebens beeinflusst werden kann.
Bei der Veranstaltung setzten sich die Teilnehmenden daher zunächst mit der Frage auseinander, was für sie wichtige Kriterien für eine erfolgreiche Karriere sind. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Definition einer „erfolgreichen Karriere“ etwas sehr Individuelles ist, und man hier auf die eigenen Vorlieben, Fähigkeiten und Wertevorstellungen achten sollte. Faktoren wie Geld, Macht oder Einfluss, die oft mit erfolgreichen Karrieren assoziiert werden, wurden von den Teilnehmenden weniger relevant eingestuft als beispielsweise persönliche Erfüllung und Sinnhaftigkeit der Tätigkeit.
Gut in Szene gesetzt – Außendarstellung und – Wahrnehmung im digitalen Raum
Da die Onlinedarstellung der eigenen Arbeit und Fähigkeiten mittlerweile bedeutsam für die eigene Karriere ist, beschäftigten sich die Teilnehmenden in der anschließenden Gruppenarbeit damit, wie ihre Fähigkeiten durch Andere anhand ihres Onlineprofils bewertet werden und in wieweit diese mit „One Health core competencies“1 matchen. Hieraus ergaben sich wichtige Erkenntnisse für die einzelnen Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Außendarstellung und -wahrnehmung.
Einblicke in die Vielfalt von „One-Health-Berufen“
Die One Health Forschungslandschaft bietet durch ihre breite Vielfalt an Disziplinen und Akteuren eine riesige Auswahl an Tätigkeitsbereichen. Um den Teilnehmenden hier ein paar Inspirationen für ihre weitere Karriereentwicklung geben zu können, gaben 7 Personen aus dem One-Health-Bereich Einblicke in ihre unterschiedlichen Berufe. Dabei stellten sie nicht nur da, was sie tun, sondern auch, wie sie dort hingekommen sind und welche Fähigkeiten sie für die Ausübung ihres Berufes benötigen.
Dr. Jens Jäger, Beauftragter für den Forschungsbereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren in Brüssel, stellte seine Tätigkeiten in der europäischen Forschungspolitik dar. Dabei fungiere er als Bindeglied zwischen Forschenden in Deutschland und europäischen Einrichtungen und stelle ein Info Hub für eine breite Gruppe an Menschen und Organisationen dar.
Als Informationsgeber für verschiedenste Personen fungiert auch Dr. Irina Czogiel bei ihrer Arbeit im Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Sie gab den Teilnehmenden Einblicke in ihre Themenbereiche am BMG: Impfungen, AMR und One Health. Zudem zeigte sie mögliche Karrierewege hin zu einer Anstellung am BMG auf.
Ein sehr anderes Tätigkeitsprofil im Vergleich zu ihren Vorredner:innen zeigt das von Dr. Dorien Braams. Als Gründerin und Direktorin von Praxis Labs research & consulting ist sie an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis tätig. In ihren internationalen Projekten fungiert sie dabei als Beraterin und trägt dazu bei, dass One Health in die Anwendung kommt. Dabei versucht sie, der anthropozentrischen Fokussierung von One-Health-Ansätzen entgegenzuwirken. Ihr inspirierender Vortrag zeigte wie individuell Karrierewege sein können und dass es sich lohnen kann, Eigeninitiative zu zeigen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Nach einem stärkenden Mittagsessen teilte Dr. Stefan Seiberling, Leiter des Zentrums für Forschungsförderung und Transfer an der Universität Greifswald, Einblicke in seinen Beruf und in seinen persönlichen Karriereweg vom Wissenschaftler zum Wissenschaftsmanager.
Dr. Sandra Diederich, Laborleiterin am Friederich-Loeffler-Institut (FLI) und Leiterin der dortigen BSL-4-Einrichtung, gab Einblick in einen Bereich, zu dem nur die wenigsten jemals Zutritt haben werden: einem Hochsicherheitslabor. Sie zeigte auf, dass hierbei die Laborarbeit mit hochpathogenen Erregern nur einen kleinen Teil ihrer Tätigkeit ausmacht. Ein Großteil ihrer Arbeitszeit würde sie mit der Koordination von Abläufen und eines interdisziplinären Teams, das es für die Betreibung einer solchen Anlage braucht, verbringen.
Wir leben in einer globalisierten Welt und auch die One-Health-Forschung ist global aufgestellt. Dementsprechend stellt sich im Karriereverlauf vieler Wissenschaftler:innen irgendwann die Frage, ob man ins Ausland gehen sollte. Was es bei dieser Entscheidung zu berücksichtigen gilt, stellte Dr. Luca Zaeck vor, der aktuell als Postdoc am Erasmus University Medical Center in Rotterdam tätig ist. Er stellte die Vorteile aber auch die Herausforderungen, die der Schritt ins Ausland aus seiner Sicht mit sich bringt, dar.
Internationale Forschung ist auch ein Schwerpunkt von Prof. Dr. Sascha Knauf, Leiter des Instituts für Internationale Tiergesundheit/ One Health am FLI. Er appellierte dafür, den Begriff One Health im Sinne der OHHLEP-Definition zu verwenden, um das Potential des One-Health-Ansatzes nicht zu schmälern. Wie das FLI versucht die One-Health-Kapazitäten im internationalen Kontext zu stärken, erörterte er in seinem Vortrag am Beispiel der gemeinsamen Forschungsaktivitäten des FLIs mit Sansibar.
Mit Freude dabei sein
Alle Redner:innen stellten ihre individuellen Karrierewege dar und machten deutlich welche Fähigkeiten sie für die Ausübung ihres Berufes brauchen. Obwohl diese sehr unterschiedlich waren, gab es ein Punkt, in dem sich alle einig waren: der Wichtigkeit, den eigenen Beruf zu schätzen. Denn nur wenn man sich für etwas begeistern kann, macht man es auf lange Sicht auch gerne und gut.
Die Spring School bot den Teilnehmenden eine gute Möglichkeit ihre eigenen Fähigkeiten und Karriereziele zu reflektieren. Zudem bekamen sie zahlreiche Einblicke in unterschiedliche Tätigkeitsbereiche gemeinsam mit einer Einschätzung zu den jeweils benötigten Fähigkeiten. Darüber hinaus hatten sie die Möglichkeit die Vortragenden zu ihren persönlichen Erfahrungen zu befragen und in den Austausch mit den anderen Teilnehmenden zu treten. Damit bot die Spring School 2026 ideale Rahmenbedingungen um die eigene Karriere im One-Health-Bereich weiter voranzubringen. Darüber hinaus trugen die angenehme Atmosphäre und die engagierte Mitarbeit aller Anwesenden zum Erfolg der Veranstaltung bei.
1Laing et al. CABI One Health (2023) https://doi.org/10.1079/cabionehealth.2023.0002